
Die Besucher am Tag des offenen Denkmals vor dem ehemaligen Mesnerhaus, Kirchgasse 226: Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (2.v.r.), OB Dr. Thomas Haslinger (4.v.l.), Architekt Filip Fichtl (5.v.r.), Bauherr Jens Brils (3.v.r.), die Bezirksräte Martina Hammerl und Markus Scheuermann (4. und 5. v.l.), Bezirksheimatpfleger Dr. Clemens Knobling (1.v.l.), Veronika Keglmaier; Kulturreferat Bezirk NDB, Benedikt Schramm, Kulturreferent Stadt Landshut (2.v.l.), Josef Wiesmüller (Mitte) sowie Simon Schober und Markus Mandel, Holzbau Tectum (5.v.l. und 1.v.r.) - Foto: Bezirk Niederbayern, Sabine Bäter
Landshut - pm (14.09.2026) Wie lebhaft die Baugeschichte eines Gebäudes sein kann, zeigte sich beim Tag des offenen Denkmals in der Landshuter Kirchgasse: Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich besuchte das Landshuter Baudenkmal Kirchgasse 226, das nach bauarchäologischen Untersuchungen bis ins Jahr 1468 zurückreicht.
Der dreigeschossige, traufständige Satteldachbau in unmittelbarer Nähe zur Martinskirche ist dabei alles andere als ein Gebäude aus einer einzigen Epoche. „Man findet hier sehr viele Baustrukturen aus unterschiedlichen Zeiten“, erläuterte Architekt Filip Fichtl. Besonders eindrucksvoll werde dies in den Baualtersplänen sichtbar, in denen die verschiedenen Entstehungszeiten farblich gekennzeichnet sind. „Ich habe schon viele Baualterspläne gesehen, aber so viele Farben wie in diesem noch nicht.“
Das Gebäude ist ein über Jahrhunderte gewachsenes Baudenkmal. Seine ältesten Bauteile stammen aus dem späten Mittelalter. Im Jahr 1680 wurde das ursprüngliche Gebäude zum Stadel degradiert, später folgten weitere Veränderungen. Ein Erker wurde 1890 angebaut. Auch eine barocke Flügeltür hat eine besondere Geschichte: Sie stammt aus dem 1803 aufgelösten Franziskanerkloster. Ein Teil des Gebäudes ist besonders alt, erzählte Fichtl. Die älteste Stütze wurde aus einem Baum gefertigt, der im Jahr 1288 gefällt worden war.
Bei einem Rundgang konnten die Besucher die unterschiedlichen Spuren der Baugeschichte anhand vieler einzelner Erläuterungen und Bilder erkunden, die das Architekturbüro im Haus verteilt angebracht hatte. Von einer holzgetäfelten Stube im ersten Obergeschoss führt beispielsweise eine schmale Treppe durch das Gebäude. Welchem Zweck diese „Geheimtreppe“ einst diente, ist nicht überliefert. Auch aus dem 19. Jahrhundert sind einige besondere Details erhalten. Damals gehörte das Haus dem Inhaber eines Baugeschäfts, der das Gebäude umfassend veränderte und zugleich großen Wert auf handwerkliche Details legte. So wurden unter anderem barocke Türbeschläge wiederverwendet.
„Aus denkmalpflegerischer Sicht kann man sich glücklich schätzen, einen Eigentümer gefunden zu haben, der sich der Bedeutung dieses Hauses bewusst ist und die Kosten und Mühen auf sich nimmt, dieses Objekt wieder wachzuküssen“, sagte Josef Wiesmüller vom Verein „Freunde der Altstadt Landshut e.V.“. Als hochkarätiges Einzeldenkmal im unmittelbaren Anschluss an die Martinskirche sei das Gebäude ein besonderes Highlight der Landshuter Altstadt.
Damit die Geschichte des Hauses auch für kommende Generationen erhalten bleibt, steht nun die Sanierung bevor. Die entsprechenden Bauanträge laufen bereits. Nach den Planungen von Architekt Fichtl sollen aus den ehemals vier Wohnungen künftig mehrere kleinere Wohnungen mit zeitgemäßem Komfort entstehen.
Die Sanierung stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Simon Schober von der Firma Tectum Holzbau verwies insbesondere auf das massive Schadensbild, das sich durch die Wohnnutzung und unsachgemäße Umbauten entwickelt habe. Diese Eingriffe hätten teilweise sogar die Statik des Gebäudes beeinträchtigt. Umso anspruchsvoller sei es, die historische Bausubstanz zu sichern und gleichzeitig eine zeitgemäße Nutzung zu ermöglichen.
Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich: „Dadurch, dass das Gebäude in der Kirchgasse wieder entsprechend seiner ursprünglichen Bestimmung zu Wohnraum wird, bleibt hier ein Stück Geschichte und Stück regionaler Identität nicht nur erhalten, sondern wird weitergeschrieben.“

