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Mut und Mensch als Antwort auf regionale Herausforderungen

Regio PULS

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (Mitte) diskutierte mit Julian Menninger (v. l.), MDirig Klaus Ulrich, Anja Zöllner-Sprotte und Prof. Dr. Markus Lemberger.

Landshut - pm (16.04.2026) Demografischer Wandel, Wettbewerbsfähigkeit und regionale Identität stellen die Region vor Herausforderungen. Antworten und Lösungen werden händeringend gesucht. Für Dr. Olaf Heinrich ist klar: Der Mensch muss mehr in den Fokus gerückt, aber auch mehr in die Verantwortung genommen werden. Seine Ansätze verdeutlichte der Bezirkstagspräsident in einer Diskussionsrunde im Rahmen der Veranstaltungsreihe Regio.Puls anlässlich der Fortführung der Regionalmanagementförderung in Bayern.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er bewegt sich gerne im bekannten Umfeld, in alten Mustern. Deshalb ist für Dr. Heinrich eine der zentralen Fragen der Zukunft in der Regionalentwicklung: Wie schaffen wir es, dass die Menschen außerhalb der bestehenden Bahnen denken. „Ich habe oft das Gefühl, dass wir Dinge, die sich bewährt haben, gerne fortsetzen wollen. Wir leben aber in einer Welt, die sich rasant verändert. Wir müssen deshalb in der Lage sein, neue Wege zu suchen und diese auch konsequent gehen.“ Das erfordere insbesondere eines: Mut. Mut, Risiken einzugehen und Neues auszuprobieren. Immer mit der Gefahr, dass man am Ende sagt: „Nice try. Es hat nicht funktioniert, aber es war trotzdem wertvoll.“ Das sei unabdingbar, um die Region zukunftsfest aufzustellen und positive Entwicklungen anzustoßen.

Richtige Köpfe, richtiger Zeitpunkt, richtiges Ziel

Der zentrale Aspekt hierfür: Es braucht Menschen, die wirklich miteinander kommunizieren – außerhalb von standardisierten Verfahren. „Eine Region ist in meinen Augen besonders erfolgreich, wenn es gelingt, dass man zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Ansprechpartner hat, der bereit ist, einem auch wirklich zu helfen.“ Das sei etwas, was das Regionalmanagement ganz besonders präge: Die richtigen Köpfe zum richtigen Zeitpunkt hinter dem richtigen Ziel zu versammeln. Für die Zukunft wünscht sich der Bezirkstagspräsident: Die knapper werdenden Mittel sollten weniger in Beton und mehr in Köpfe fließen. Denn die Aktivierung der Menschen sei wichtiger als Strukturen und Abläufe aufrechtzuerhalten. „Wenn das gelingt, bin ich mir sicher, dass wir viele überraschende Moment erleben. Weil die Menschen wahnsinnig kreativ sein können, wenn man sie lässt.“

Der Mensch steht also im Fokus und soll seine Region in die Zukunft führen, aber: „Sprechen wir von Identität, denken viele an Dialekt, Stammtisch, Vereine oder Feuerwehr. Um die Region zukunftsfest aufzustellen, wird es künftig aber nicht reichen, wenn die Menschen in Niederbayern sich mit dem Gäuboden oder dem Bayerischen Wald identifizieren. Wir müssen es schaffen, dass auch Laptop, Macher-Mentalität und Anpacken fest in den identitätsstiftenden Teilen unseres Lebens verankert sind.“

Zunehmender Bürokratie entgegenwirken

Verständnis zeigt der Bezirkstagspräsident für die Kritik von Seiten der Unternehmer und Gründer an der zunehmenden Bürokratie, gibt jedoch auch zu bedenken: „Wenn wir ständig darüber reden, dass Fairness, Gleichheit, Vergleichbarkeit das oberste Ziel sind und allgemeine Lebensrisiken ausgeschlossen werden sollen – dann wird dies immer weiter Bürokratie erzeugen.“ Der Bezirkstagspräsident ist davon überzeugt, „dass dieser bürokratische Aufwand, den die Unternehmen, aber auch die öffentliche Hand und jeder von uns erlebt, dieses Land mit einer Decke überdeckt hat, die eine Entwicklung bremst oder gar unmöglich macht.“ Dem könne man nur entgegenwirken, „wenn wir bereit sind, Risiken zu akzeptieren und auch mal zu akzeptieren, dass A etwas bekommt und B nicht“. Dr. Heinrich betont: „Wenn der, der es nicht bekommt, gleich klagt und Präzedenzurteile herbeiführt, dann können wir ganz sicher sein: Das nächste Mal werden zehn Seiten Formulare ausgefüllt, damit das absolut Gleiche auch weiterhin gleich bleibt.“

Daher appelliert der Bezirkstagspräsident: „So sehr ich den Wunsch nach weniger Bürokratie nachvollziehen kann: Wir müssen uns auch in der Gesellschaft mit der Frage befassen, wie viel Ungleichheit und wie viele Risiken wir bereit sind zu akzeptieren.“

 

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