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Verena Jobst spricht mit Hubert Aiwanger - Die Hebammen fühlen sich im Stich gelassen

Aiwanger Hebammen

Foto: MdL Hubert Aiwanger und Hebamme Verena Jobst im Gespräch

Rottenburg (16.03.2018) Immer mehr Hebammen geben ihren Beruf auf - obwohl sie dringend gebraucht werden. Die Geburtenrate in Bayern steigt erfreulicherweise wieder an, rund 125.000 Kinder erblicken pro Jahr das Licht der Welt. Doch für diejenigen, die Mutter und Kind rund um die Schwangerschaft,

Geburt und Babyzeit beraten und begleiten sollen, gehen die Lichter zunehmend aus.Etwa 8.000 Euro muss eine Hebamme jährlich im Voraus an Versicherungsprämie bezahlen, um ihren Beruf mit Geburtshilfe überhaupt ausüben zu dürfen. Dies und die zunehmende Bürokratie wie praxisfremde Vorgaben für die Hebammenbegleitung und Abrechnung von Leistungen, treiben immer mehr Hebammen ins Aus.

Ein über Generationen gesammelter Erfahrungsschatz geht verloren. Dies machte Verena Jobst seit über 20 Jahren Hebamme aus Rottenburg dem Landtagsabgeordneten Hubert Aiwanger bei einem Gespräch im Bürgerbüro deutlich.

„Wenn die Politik nicht endlich handelt, ist die Geburtshilfe und die Betreuung durch Hebammen bald am Ende. Hebammen können sich Geburtshilfe nicht mehr leisten.

Wir steuern hier auf einen Notstand zu“, schildert sie in ungeschminkten Worten die dramatische Lage. „Ich habe am Montagvormittag zahlreiche werdende Mütter und Wöchnerinnen im Wartezimmer, kann die erbrachten Leistungen aber gar nicht komplett abrechnen, da die Vorgaben sagen, dass es keine Abrechnungsüberschneidungen geben darf, obwohl wir uns natürlich um alle kümmern müssen.

Womit soll ich da mein Personal bezahlen?“, so Verena Jobst verärgert. „Während einer laufenden Geburt ist es ebenfalls dramatisch, sobald zwei Frauen im Kreißsaal begleitet werden und weitere Mamas hinzu kommen, muss eine weitere Hebamme quasi aus dem Hut gezaubert werden, oder die Begleitung einer anderen Frau ausgesetzt oder die Gebärende in ein anderes Krankenhaus mit freier Hebamme geschickt werden.

Wer trifft hier die Entscheidung?“ Hebammen sind zum Schutz von Mutter und Kind aktiv und wehren sich gegen jegliche Selektion von Frauen, so Frau Jobst.

Hubert Aiwanger kennt diese Probleme nur zu gut, da sich die Frein Wähler seit Jahren für eine umfassende Verbesserung der Lage einsetzen: „Es ist beschämend, dass Bayern als „Vorstufe zum Paradies“ tituliert wird und wir nicht in der Lage sind, den Hebammen zu helfen. Damit lassen wir auch die Mütter und die Neugeborenen im Stich.“

Jobst ergänzt: „Immer mehr Mütter finden keine Hebamme mehr, die sie auch mal zu Hause aufsucht und die so wichtige Nachsorge leistet, denn es ist der Hebamme möglich, durch frühen Einblick in die Familien, eine schnelle interdisziplinäre Zusammenarbeit zu gewährleisten. Dennoch sind die von der Nachsorgehebamme zu fahrenden Kilometer zur Wöchnerinnen gedeckelt, sodass Familien auf dem Land klar benachteiligt sind und die Hebamme die Anfahrt oft aus eigener Tasche bezahlen muss.“

Die Frein wähler sind bisher im Bayerischen Landtag mit ihrem Vorstoß gescheitert, die Versicherungsprämie unbürokratisch durch den Staat zu übernehmen, wenn es schon nicht durchsetzbar sein soll, dass die Hebammen für ihre Leistungen deutlich besser bezahlt werden. „Mit wenigen Millionen Euro wäre hier bereits viel erreicht.“, rechnet Aiwanger vor.

„Wir geben so viel Geld für fragwürdige Dinge aus, und ausgerechnet bei der Geburt unserer Kinder beginnen wir zu sparen, das ist verantwortungslos! Staatsregierung und Krankenkassen müssen jetzt endlich Nägel mit Köpfen machen, sonst müssen wieder öffentliche Protestkundgebungen stattfinden!“, warnt Aiwanger.

Jobst stellt dar, dass viele Hebammen eine große Leidenschaft für ihren Beruf mitbringen, sich aber immer mehr mit dem Gedanken des Ausstiegs tragen. „Wir brauchen doch dringend eine Zukunftsperspektive, damit wir wieder Berufsnachwuchs bekommen. Es ist unerträglich, dass man nicht mehr seine ganze Kraft für Mutter und Kind einsetzen kann, sondern ständig seine Gedanken bei den Abrechnungsproblemen haben muss.“

Aiwanger versicherte, weiter für eine Verbesserung der Lage zu kämpfen und äußerte seinen Ärger über die ständigen Zurückweisungen von Lösungsansätzen durch die Landtagsmehrheit.

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